Wem gehören die Felsen von Tok-Do1 ?

Wolfgang Schippke, DC3MF



Die Lage der Felsen zwischen Süd Korea und Japan
Alleine im Bereich um Japan gibt es derzeit drei Krisengebiete, die Kurilen Insen, die Senkaku Gruppe und die Felsen von Tok-Do. In das Säbelrasseln um die Felsen von Tok-Do haben sich in den letzten Jahren neben den beiden Kontrahenten Japan und Süd Korea, auch Nord Korea und China hinzugereiht. Dabei gibt es an diesen Felsen keinerlei Rohstoffe. Hier geht es ausschließlich um die Erweiterung der Küstensee Bereiche.
Die Tok-Do Inseln sind eine Gruppe aus zwei größeren und zahlreichen kleineren Felsen zwischen Süd Korea und Japan, und schon seit 1693 streiten beide Nationen um die Felsen mitten im Meer. Es geht hier nicht um eine territoriale Erweiterung des jeweiligen Hoheitsgebietes, sondern um die Sicherung Fischreicher Gewässer, der sonst weitgehend überfischten japanischen Meer. Seit 1987 streckt auch China seine Hände nach den Felsen aus.
Position und Geologie
Die Gruppe der Tok-Do Felsen, im Japanischen Takeshima genannt, und in Europa vielfach als Liancourt Rocks bekannt, liegen ca. 90 Kilometer östlich der koreanischen Insel Ulung, ca. 200 Kilometer östlich der Küste Süd Koreas und ca. 200 Kilometer nordwestlich der japanischen Nordküste bei Hiroshima.
Die Felsgruppe besteht aus der West Insel (Seo-Do) und einer Ost Insel (Tong-Do), die ca. 200 Meter auseinander liegen. Seit 1954 stehen einige Gebäude und ein Leuchtturm auf der Ost Insel, deren amtlich fixierte Position 37°14’45" N und 131°53’01"E2 beträgt. Die Gesamtfläche an Landmasse wird in unterschiedlichen Quellen zwischen 170.000 und 220.000 m² angegeben.
Die größere, der beiden Hauptinseln ist Seo-Do. Seo-Do hat eine Fläche von 95.000 m², ist 157 Meter hoch und hat einen Umfang von 2.8 km. Etwas kleiner ist Tong-Do, die Fläche beträgt ca. 67.000 m² und die Höhe wird mit 121 Metern angegeben. Die zahlreichen anderen Felsen haben zusammen eine Fläche von 19.000 m² und erreichen Höhen zwischen 12 und 87 Metern. Insgesamt weist das ‘alles- wissende- Küstenhandbuch’ 33 Überwasserfelsen aus, wo bei nur die beiden größeren Inseln einen Namen haben.
Die Tok-Do Gruppe liegt auf einem unterwasser Sockel, ca. 2 auf 7 Km groß und ist das Ergebnis starken Vulkanismus, der vor ca. 25.000 Jahren sein Ende fand. Die Felsen sind der Ostrand eines eingebrochenen Vulkankegels, wie amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben. Sowohl westlich als auch nördlich der Felsen fällt der Meeresboden auf unter 2000 Meter steil ab, nach Süden und Osten hin auf Tiefen von 1000 bis 1200 Meter.
Die Felsen von Tok-Do, aus Norden gesehen
Die Felsen leigen unmittelbar am westlichen Ende des japanischen Sockels, nicht wie man bis 1940 annahm am östlichen Ende des chinesischen Schelfs. Diese Tatsache ist einer der Argumente Japans, die Felsen für sich zu beanspruchen.
Flora und Fauna
Es gibt sowohl eine Flora, als auch eine Fauna aus den Felsen. Während sich die Fauna auf einige Arten von Seevögeln beschränkt, sowie zwei endemische Arten von Insekten, besteht die Flora aus 51 verschiedenen Arten von Gräsern, Flechten, Moosen und blühenden 10 bis 20 cm hohen Pflanzen, von denen 22 Arten endemisch sein sollen. Im Westen der West Insel gedeihen einige wenige kniehohe Büsche und einige verkrüppelte Bäumchen, die wegen des ständigen starken Windes nur entlang der Felsen sich ausbreiten können.
Geschichte
Die Entdeckungsgeschichte der Felsen geht auf das 13te Jahrhundert zurück, als koreanische Fischer diese Felsgruppe wegen ihres Fischreichtums, für sich beanspruchten. Damals wurde die Felsen U’san-Do genannt und König Chijung, angehöriger der Silla Dynastie, entsprach der Bitte und unterstellte sie dem Inselfürsten von Ullung. In den Akten des Schreibers Yi Sa-Bu, aus dem Jahre 1312 tauchen die Inseln als Eigentum des Fürsten zu Ullung auf, werden hier aber nicht als Privateigentum ausgewiesen. Yi Sa-Bu beruft sich hierbei auf eine Gebietseinteilung aus dem Jahre 512 in dem die Usankuk-Do-Tok Felsen zum Gebiet der Isabu Provinz des Königreiches Korea (Silla Kingdom) gehörig, ausgewiesen werden.
Der erste Europäer, der die Felsgruppe besuchte, war 1791 der Britische Kapitän James Collet3. Collet konnte auf der Ost Insel landen und benannte die Felsgruppe als Liancourt Rocks. (Dieser Name - Liancourt Rocks - finded sich in vielen Atlanten auch heute noch) Nur wenig später erreichte der Britische Forscher James Wild, die Inselgruppe und sammelte 23 unterschiedliche Arten von Pflanzen. 1840 erschien ein russisches Kanonenboot vor der Insel und annektierte die Felsgruppe, allerdings ist nicht bekannt ob damals Hoheitszeichen errichtet wurden oder nicht.
Kontroverse:
Kontroverse um die Felsen Zu einer ersten Kontroverse um die Felsen kam es bereits 1667, als die Inseln von japanischen Fischern beansprucht wurden. Bereits 1678 wurden in japanischen Karten die Felsen als japanisches Territorium ausgewiesen. Nach dem Austausch diverser Protestnoten erschienen 1785 japanische Karten, des Geographen Hiyashi Shihae, die die Inseln wieder, als zu Korea gehörend zeigen. Hier wurde auch erstmals der Name Takeshima für die Inseln verwendet. 1876 weisen Unterlagen der japanischen Marine, die Inseln als Territorium Koreas aus, das es galt erobert zu werden.
1905 wurde auf den Inseln die japanische Fahne gehißt4, und mittels gravierter Metallplatten die Zugehörigkeit zu Japan demonstriert, und das obwohl nur zwei Jahre vorher, das japanische Königshaus, per Dekret (Yi Royal Edict No.41) Takeshima als Koreanisches Staatsgebiet auswies. Nur ein Jahr später besetzte Japan auch die Insel Ullung. 1919, mit dem Ende des ersten Weltkrieges wurde ein japanisches Kanonenboot vor den Insel stationiert und alle drei Wochen versorgt. 1945 mußte Japan diese besetzten Inseln an Korea auf internationalen Druck hin zurückgeben. Da sich Japan weigerte die Inseln unverzüglich zu verlassen, wurde sie mit Dekret 677 der UN5 dazu gezwungen und beugten sich 1946 dem Druck von außen.
1954 baute Korea einen Leuchtturm auf der Insel, und 1955 eine in den Felsen gesprengte Unterkunftshütte, die 1957 gegen ein gemauertes Haus auf einer Plattform ersetzt wurde. Gegen diese Bauten protestierte Japan vor der UNO, kam aber mit seinem Protest nicht weiter, da er wegen des Memorandums von 1945, abgewiesen wurde.
1987 begannen erneute Proteste der Japaner gegen die Zugehörigkeit zu Süd Korea. Im gleichen Jahr protestierte auch Nord Korea gegen den Süden, da historisch gesehen die Shilla Dynastie eine heute Nord Koreanische Dynastie gewesen wäre. Auch begann 1990 China Ansprüche auf die Felsen mitten im Meer geltend zu machen. Hier wurde keine Begründung genannt. Bis heute streiten sich vor allem Japan und Süd Korea um die Felsen, da es im Besonderen um die Erweiterung der jeweiligen Fischerzonen geht.
Anmerkungen:
1)
Tok-Do Inseln oder Felsen zu schreiben ist eigentlich ein weißer Schimmel, denn die Endsilbe -Do bedeutet im koreanischen und im chinesischen Insel / Inselchen (im Japanischen übernimmt der Zusatz -shima / -jama dies). Ich werde aber im weiteren beim 'weißen Schimmel' bleiben, da dies in meinem Augen dem Verständis dient.
2) vgl. The Japan Sea Handbook, The Geographer of the Navy, 1990 oder SUP165, Ministery of Defence of the USA, 1991 (Sup. I)
3) vgl. W.Schippke, "Der Historische Hintergrund des Falkland Krieges von 1982", München, 1982 und W.Schippke, "Die Reisen des Navigators Collet", in geo.Rev, 1987, Feb., 56-59
4) vgl. Sun Myong Kim, "Is the Japans Government the first class one in the World? The Tok-Do Island Dispute", Pepartement of Physics, Tennessee, 1997, 2-26
5) Act of the SCAP No.677, 1946, New York and Cairo Declaration, 1943 (based of Yi Royal Edict No.41, Tokyo, 1901)
Danksagung: Ich möchte mich besonders bei Herrn Thomas Rösner (DL8AAM), einem guten Freund und Korrektor, für Ratschläge und Anregungen bedanken.
Für Anregungen und Meinungen bin ich dankbar bitte e-mail

Dieser Artikel erscheint demnächst in etwas ausführlicherer Art in der Zeitschrift 'Funkamateur', in der über 50 Artikel zu solchen und ähnlichen Themen von mir bereits erschienen sind.