Neue Erkenntnisse zu Bassas da India
Wolfgang Schippke, DC3MF

Bereits vor drei Jahren habe ich zum Riff Bassas da India, zwischen Madagaskar und dem Afrikanischen Festland berichtet. In der Zwischenzeit sind einige neue Erkenntnisse zur Historie und zu einigen Schiffshavarien bekannt geworden. Sowohl 1987, als auch 1996 wurde durch französische Dienststellen, zusammen mit dem Naturwissenschaftlichen Museum in Paris, mehrere Expeditionen zum Riff durchgeführt, um die histortischen Wracks zu untersuchen. Hierbei wurden einige Funde gemacht, die als sensationell eingestuft wurden.
Das Riffgebiet Bassas da India zählt zu den größten Gefahrenstellen in der Wasserstraße zwi-schen dem Süden Madagaskars und dem afrikanischen Festland. Einer Chronik der britischen Admi-ralität von 1934 verloren die Engländer zwischen 1810 und 1910 über 200 Schiffe im Seegebiet um Bassas da India. Das Riff liegt 400 Kilometer west-lich der Küste Madagascars und knapp 500 Kilometer östlich von Mozambique auf der geograph-ischen Position 21°27'S und 39°41'E. Bassas da India ist ein fast runder Riffkranz mit einem Durchmesser von fast 11 Kilometern und einer Fläche von 0.2 km² trockenfallenden Landanteils. Die gesamte Küstenlinie wird mit 35.2 Km im World Wide geographic Handbook angegeben. Im Nordosten des Riffes sind einige kleinere Riffe vorgelagert. Bassas da India ist der letzte Rest eines untergegangenen Vulkans und bis vor 40 Jahren war im Osten des Riffes eine Insel, die eine Höhe von 2.4 Metern aufwies.
Seit dem das Riff von der französischen Marine als Bombenabwurfs Gebiet benutzt wurde, sind heute nur noch wenige Teile trockenfallend. Bis in die 70ziger Jahre hinein gab es im südlichen Teil des Riffes sowohl Korallenköpfe, als auch zwei kleine Sandinseln. Seite dem gibt es nur noch im Süd- Südwesten eine kanpp 100x 50 Meter große Sandplatte die bei Ebbe für 3 Stunden trockenfällt.
Nur während der Ebbe kommen einige wenige Vögel auf die Sandinsel, um Nahrung zu suchen. Im Gebiet des Riffes leben unzählige Meeresschildkröten und zahlreiche Riffische.
Das, für die Schiffahrt sehr gefährliche Riff war bereits um 1492 in einer holländischen Seekarte mit dem Namen Bassa da India verzeichnet. Auf Grund der Namensgebung kann angenommen werden, daß das Riff von spanischen oder portugiesischen Seefahrern entdeckt wurde. Wie die französischen Archäologen herausfanden, muß das Riff aber schon weit früher bei arabischen Seefahrern bekannt gewesen sein. Im Nordwesten fand man Reste eines Schiffes, dessen Alter mit Hilfe der Radio-Carbon-Methode auf ca. 700 bis 800 Jahre bestimmt wurde.
Mit zunehmender Seefahrt europäischer Nationen erschienen immer wieder Warnberichte über das Riff, von dem um 1547 berichtet wurde, daß drei ein-zelne, nur wenige Meter große Korallenblöcke, das Wasser überragen. Eine sehr gute Karte des Riffes zeichnete 1604 der spanische Seefahrer, italienischer Abstammung, J.D.Fortessa. Er vermerkte insgesamt 9 Felsen im Süd-osten des Riffes, die bis zu einem Meter das Wasser überragen. In den nachfolgenden Jahren scheiterten im-mer wieder, auch große, Schiffe an dem wenig sichtbaren Riff.
Zu Ende des 19ten Jahrhunderts nahm Frankreich das Riff in Besitz und unterstellte es der Verwaltung von Reunion. Frankreich nutzte bis 1960 fast ausschließlich die reichen Fischfanggründe um das Riff, unterstellte es aber 1965 der französischen Marine, die bis vor einigen Jahren Bassa da India als Bombenabwurfsgebiet nutzte. Durch die zahllosen Wasserbomben, die bei den Zielübungen auf das Riff abgeworfen wurden, wurden die wenigen, das Wasser überragenden Fel-sen, abgesprengt, so daß heute nur noch bei Ebbe die bereits beschriebene Sandplatte, sowie einige Felsen trockenfallen. 1983 wurde Basasa da India von den Militärs aufgegeben und der Verwaltung in Reunion überstellt. Heute soll das Riff und die angrenzenden Gewässer unter Naturschutz stehen.
Erst bei einer der letzten wissenschaftlichen Expeditionen zum Riff, fand man im nordwestlichen Teil des Riffes, das Wrack des britischen Ostindien-Fahrers ‘Sussux’, der im September 1738 am Riff scheiterte. Bei der Untersuchung der Wrackteile, fand man zahlreiches chinesisches Porzellan aus der Yongzhen-Epoche, sowie einige Stücke, die aus der chinesischen Frühzeit (ca. 400 n.Chr.). Dieses Porzellan wurde als wissenschaftliche Sensation eingestuft.