Macao geht an China
Wolfgang Schippke, DC3MF (pub.: in FT Juni
1997)
Allem Anschein nach herrscht in den Amateurfunkkreisen erhebliche Unsicherheit darüber, wann die portugiesische Kolonie Macoa an die Volksrepublik China zurückgegeben wird. Da auch ich hier erhebliche Probleme hatte, bat ich die Botschaft Portugals in Bonn, um Auskunft über das genaue Datum. Im Gegensatz zu Hong Kong, das bereits 1997 an China returniert wird, wird Macao, mit seinen Inseln, am 23.Dezember 1999 wieder chinesisches Gebiet. Allerdings wird es die nächsten 50 Jahre einen Sonderstatus einnehmen, wie China und Portugal 1994, bei einer Sondergesprächsrunde, vereinbart haben. Wie sich ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung des Amateurfunks gestalten wird, ist derzeit gänzlich im Dunklen. Es wird heute angenommen, daß Macao in der 50 jährigen Übergangszeit ein Sonderrufzeichen aus dem chinesichen BS oder BQ7-Block erhalten könnte.
Etwas schwieriger wird sich die Eingliederung der Inseln, die zu Macao in ein neues IOTA gestalten. Die heutige AS-075 Nummer müßte, genau wie dies mit AF-055 gemacht wurde, gelöscht werden, und in die heutige Gruppe AS- (letter b oder c) übernommen werden. Das gleiche Problem wirft sich analog bei Hong Kong auf.
Die zu Macao zählenden Inseln sind Ilha de Coloane (22N08, 113E34) und die Ilha de Taipa (22N10, 113E33), die beide untereinander mit Brücken zum Festland von Macao verbunden sind. Zur Kolonie zählen noch einige kleinere Insel und Felsen zwischen Coloane, Taipa und dem Festland.
Heute, knapp 2 1/2 Jahre vor der Rückgabe an China, leben ca. 440.000 Einwohner in Macao, davon ca. 20.000 auf den beiden Inseln. Nur 2% der Bevölkerung sind heute echte Portugiesen, der Rest sind zugewanderte Chinesen und Inder. Bereits 1555 wurde das Gebiet von Portugiesen entdeckt und 1556 entstand ein Handelsposten. 1557 wurde das Gebiet zur Kronkolonie erhoben. Ende des 16ten Jahrhunderts verloren die Portugiesen ihre Besitzung an die Holländer, die aber wenig später zurückgeschlagen werden konnten. Erst 1887 erkannte China formell die portugiesische Kolonie an. Genau einhundert Jahre später wurde ein Vertrag mit China über die Rückgabe geschlossen, der allerdings vorsieht, daß Macao für die darauffolgenden 50 Jahre eine Wirtschaftssonderzone bleiben wird, in der Portugal ein erhebliches Mitspracherecht hat. Eines der imposantesten Bauwerke Macaos ist das 1629 erbaute Barra Fort mit seinen 10 Meter dicken Mauern, sowie die beiden anderen Festungen Mong-Ha Fort (1637) und Guia Fort (1638), das auf dem höchsten Punkt Macaos steht. Bereits 1573 wurde eine Grenzmauer zwischen China und Macao errichtet, von der heute noch das Grenztor Portas do Cerco steht, und eine sehenswerte Attraktion darstellt.