Île Metthew & Île Hunter
Zankapfel zwischen Neu Kaledonien und Vanatu

Wolfgang Schippke, DC3MF


Die beiden kleinen Inseln Île Matthew und Île Hunter liegen über 300 Kilometer östlich der Hauptinseln Neukaledoniens und seit einigen Jahren streiten sich Neukaledonien, also Frankreich und Vanatu, um die Eigentumsrechte an den beiden Inseln. Matthew befindet sich auf der amtlich festgelegten Position 22°21’S und 171°21’E und Île Hunter, 67 Kilometer östlich, auf 22°24’S und 172°05’.

Île Matthew besteht eigentlich aus zwei Inseln, einer Ost- und einer West-Insel, die in den letzten Jahren durch ständigen Vulkanismus zusammengewachsen sind. Die Ost-Insel ist 134 (465ft) Meter hoch, die West- Insel erreicht eine Höhe von 177 (580ft) Meter. Der Isthmus, der beide Insel verbindet erreicht eine Höhe von 12 Metern, ist heute aber nur noch ca. 60 Meter lang. Beide Inseln sind zusammen 1200 Meter lang (E-W-Ausdehnung) und im Westen etwas über 500 Meter breit. Beide Berge sind noch heute aktive Vulkane, deren letzter Ausbruch erst 20 Jahre zurück liegt. Eine der letzten Expeditionen, im Januar 1997, berichtete, daß erneut starker Rauch aus einem der vielen Kamine auf der Insel aufsteigt.

Sowohl im Südwesten, als auch im Südosten reichen Basaltaufschüttungen bis über 600 Meter weit ins Meer hinaus. Diese Riffe liegen zum größten Teil unterwasser, nur an einigen Stellen haben sich in den letzten Jahren neue Inselchen gebildet. Auch über 8 Kilometer weiter im Südosten gibt es einen Zwillingsvulkan, der allerdings nur bis auf 50 Meter an die Wasseroberfläche reicht. Dieser Vulkan gilt heute als der aktivste der Gruppe.

Matthew und sein Zwillingsvulkan liegen auf einer Plattform, die unvermittelt aus Tiefen von über 1200 Meter bis über die Wasseroberfläche ansteigt. Untersuchungen von Vulkanologen und Geologen weisen ein Alter der Ostinsel von 2000 und der Westinsel von 1500 Jahren aus, sind also geologisch sehr junge Gebiete.

Die fast ausschließlich aus Basaltgesteinen bestehende Doppelinsel ist absolut Baum los. Nur an einigen wenigen Stellen konnten Gräser, Moose und Flechten Fuß fassen. Im Norden wachsen einige Arten von kniehohem Gebüsch. Auf den alten Vulkanhügeln, die heute von Lava nicht mehr erreicht werden, leben einige Arten von Spinnen und Reptilien. Höheres Leben kommt, abgesehen von unzähligen Vögeln, nicht vor. Um den weiteren Entstehungsprozess besser untersuchen zu können, wurde Matthew seitens der französischen Regierung, dem in Numea stationiertem Militär unterstellt und darf heute, ausgenommen von Wissenschaftlern mit Sondergenhmigung, nur von Soldaten betreten werden.

Abgesehen von einer Hüttensiedlung im Istmus, die Wissenschaftlern, Militärs und Meteorologen als Unterkunft dient, ist Matthew zu keiner Zeit bewohnt gewesen. Nur einmal im Jahr kommen sowohl aus Vanatu, als auch aus Neukaledonien Fischer zur Insel, um die unzähligen Langusten zu fischen.

Île Hunter liegt ca. 42 Seemeilen östlich von Matthew, ist etwas kleiner und auch ein aktiver Vulkan, dessen letzter Ausbruch einige Jahre zurückliegt. Hunter ist 242 (974ft) Meter hoch und besteht aus mehreren Vulkankegeln. Die Insel ist oval, ca. 1000 Meter lang und 700 Meter im Süden breit. Die Küste besteht aus teilweise senkrecht aufsteigenden Klippen, nur im Nordwesten gibt es einen kleinen Geröllstand, vor dem auch der einzige ‘Schönwetter Ankerplatz’ liegt.

Auch Hunter wird nicht nur von Neu Kaledonien sondern auch von Vanatu beansprucht. Wegen seiner isolierten Lage und der schwierigen Landemöglichkeiten wurde Hunter bisher nur auf dem Papier beansprucht.

Historie:
Île Matthew wurde 1788 durch den Englischen Kapitän Gilbert, Kommandeur der HMS ‘Charlotte’ entdeckt, aber nicht für England in Besitz genommen.

Île Hunter erreichte im August 1798 der amerikanische Wahlfänger ‘Hunter’, der von Kapitän F.Fearn kommandiert wurde. Da er weder hier, noch später auf Matthew Wasser fand, geriet diese Entdeckung wieder in Vergessenheit.

1834 besuchte eine Französische Expedition die Inseln und landete auf ihnen. 1840 wurde von der britischen Admiralität H.Wilkens ausgeschickt, das Seegebiet südöstlich von Neu Kaledonien zu vermessen. Dabei stellte Wilkens fest, daß die Positionsangaben für die Insel Matthew von Fearn genauer waren, als die Position, die von Gilbert angegeben wurde. Wilkens berichtete von starken Vulkanausbrüchen sowohl auf Matthew als auch vom Zwillingsvulkan. Heute wird angenommen, daß zu dieser Zeit der Isthmus, der beide Inseln verbindet, entstanden ist.

Da sich, auch im zweiten Weltkrieg, keine Nation für die Insel interessierte, betraten 1963 französische Militärs die Insel und errichteten am höchsten Punkt des Isthmus eine automatische Wetterstation, die allerdings zwei Jahre später bei einem Vulkanausbruch auf der Westinsel wieder zerstört wurde. 1967 entstanden die noch heute stehenden Hütten. Neben einer automatischen Wetterstation wurde auch eine seismische Beobachtungsstation errichtet, die die Vulkanaktivität ständig nach Numea sendet. 1973 wurde die Insel unter Naturschutz gestellt und darf seitdem nur noch mit besonderer Genehmigung angelaufen werden.

Obwohl zwischen 1880 und 1895 mehrfach englische Schiffe auf beiden Inseln landeten, wurden sie erst 1929 durch Frankreich annektiert. Nach der Französisch-Englischen Condominium besetzte 1965 England beide Inseln und erklärte sie als Verwaltungsbereich der Neuen Hebriden. 1975 entfernte Frankreich, die 1965 errichteten Englischen Hoheitszeichen und stellte eigene auf. Unverzüglich wurden die Inseln der Verwaltung Numeas unterstellt, aber erst 1979, als französisch in die Militärkarten aufgenommen. 1980, als die Neuen Hebriden unter dem Namen Vanatu unabhängig wurden, entsandt Vanatur zwei Kriegsschiffe auf die Inseln, die erneut die Hoheitszeichen der Franzosen entfernten und eigene aufstellten. Dieses Spiel wiederholte sich 1985 und letztlich 1996. Bis heute ist der Grenzverlauf zwischen Neu Kaledonien und Vanatu umstritten. Während Frankreich einen gerade Grenzverlauf beansprucht, der beide Inseln zu Neu Kaledonien schlagen würde, besteht Vanatu auf eine, in diesem Bereich ausgebuchtete, Grenzziehung.

Einmal im Jahr, am Unabhängigkeitstag der Nachbarrepublik Vanatu, kommen Soldaten von Vanatu nach Matthew und hissen die Fahne, um damit die Zugehörigkeit Matthew's zu Vanatu zu dokumentieren. Jedesmal werden am nächsten Tag Protestnoten der französischen Regierung nach Vantu geschickt, da Matthew, obwohl niemals offiziell von Frankreich annektiert, von Neukaledonien beansprucht wird. Bis heute blieben diese Sticheleien zwischen Frankreich’s Neukaledonien und Vanatu, ohne unmittelbare militärische Auseinandersetzung.