Die beiden Minerva Riffe, einst DXCC
by Wolfgang Schippke, DC3MF
(The English summary of this article you will find here
)
Seamap
from the both Minerva Reefs
Die beiden, 20 Kilometer von einander
entfernten Minerva Riffe sind weit südöstlich von Ata, der südlichsten
Tonga Insel und südlich von Ono-I-Lau, der südlichsten Insel
der Fiji-Gruppe.
Das Nord Minerva Riff liegt auf der mittleren Position 23°38S und 179°55E, das Süd-Riff, südsüdwestlich davon auf 23°56S und 179°08E. Beide Riffe sind erst im Entstehungsprozess; nur einige Teile sind auch bei Hochwasser sichtbar, auch gibt es noch keine Vegetation. Nur unzählige Vogelarten leben auf den beiden Riffen. Die Minerva Riffe sind das südliche Ende eines umfangreichen Unterwasserriffes, das seit 1918 um fast 1 Meter in die Höhe gewachsen ist.
Das Nord-Minerva Riff ist ein fast kreisrundes Atoll mit einem Durchmesser von annähernd 5 Kilometern. Die Lagune kann durch eine niedrige Bootseinfahrt, die im Nordwesten des Riffes liegt , erreicht werden. Die Lagune ist im nördlichen Teil tief und bietet guten Ankergrund. Der südöstliche Lagunenbereich ist sehr seicht, und es bilden sich weitere Inseln. Der Inselkranz erreicht Höhen von knapp 90 Zentimetern. Im Süden des Riffes steht ein alter, heute teilweise verfallener Leuchtturm und ein 12 Meter hoher Mast. In neuester Zeit wurde auf dem Masten ein Radarreflektor angebracht, der ein gewisses Maß an Sicherheit bietet.
Das Süd-Minerva Riff besteht aus zwei fast kreisrunden Riffen, die unmittelbar ineinander übergehen. Das westliche Riffe umschließt eine seichte Lagune komplett, während das östliche Riff eine gute breite Einfahrt in die Lagune bietet. Die Einfahrt war 1956 noch fast 300 Meter breit, 1990 war die Einfahrt auf 200 Meter zusammen gewachsen. An dem Verbindungspunkt beider Riffe steht ebenfalls ein heute ungenutzter Leuchtturm und ein hölzerner Mast, auch mit einem Radarreflektor ausgerüstet.
Wreck
of the Tuaikaepau vessel, run on the eastern part of South Minerva in 1962
Zahlreiche Schiffswraks liegen an den
beiden Riffen, die nicht nur kleineren Fischerbooten, sondern auch großen
Frachtern zum Verhängnis geworden sind.
Entdeckt wurde das Süd-Riff von einem amerikanischen Walfänger mit Namen Minerva im Jahre 1852, der unweit des Westriffes auf Grund lief und aufgegeben werden mußte. Die Besatzung konnte sich damals auf einen weiteren Walfänger retten. Im Juli 1854 landete der neuseeländische Kapitän H.M.Denham sowohl am Nord-, als auch am Süd-Riff, benannte die Riffe nach dem Walfänger "Minerva" und kartographierte die Atolle.
Im Januar 1889 wurde von einer australischen Guano Abbaufirma Kapitän Oldnam mit der HMS Egeria zu den Riffen entsandt, um die Rentabilität von Guanoabbau zu untersuchen. Da die Berichte von Oldnam recht wenig Gewinn versprachen, gerieten die beiden Atolle weitgehend in Vergessenheit. Erst im Oktober 1914 rückten die beiden abgelegenen Riffe wieder ins Rampenlicht, als der britische Kabelleger "Strathona" am Nord-Riff auf Grund lief und aufgegeben werden mußte. Bei dieser Havarie verloren 50 Seeleute ihr Leben, die anderen wurden wenige Tage später von einem Begleitschiff gerettet.
Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges, als die Amerikaner Basen für Flugzeuge und Schiffe im Pazifik suchten, besetzte die amerikanische Marine die beiden Atolle, errichteten die beiden Leuchttürme und bauten eine Funkbeobachtungsstation unter dem Decknamen 'Blue Island' auf dem Süd-Riff auf. Bereits kurz nach Ende des Pazifik-Krieges wurden die Hütten der Marine weitgehend abgebaut und die beiden Riffe waren wieder herrenlos.
Im März 1959 lief der japanische Frachter Moshemi am Nord-Riff auf Grund und brach in mehrere Teil auseinander. Fast vier Monate lebten einige Seeleute auf dem Riff, bis sie von einem Kanonenboot der Marine Tongas gerettet werden konnten.
The
East End of South Minerva reef, seen from north. The position of the wreck
is marked by a cross.
Die Havarie des tonganischen Frachters
Tuaikaepau, der 1962 im Nordteil von South Minerva auf Grund lief und aufgegeben
werden mußte, inspirierte mehrere Schriftsteller zu Büchern.
Das bekannteste Buch ist von O.Ruhen "The Minerva Reef" (1963,
Halstead Press, Sydney, Australien). Bei der Havarie der Tuaikaepau konnten
die beiden Rettungsboote unversehrt geborgen werden. Von den 17 Überlebenden
machten sich sieben Seeleute mit einem Ruderboot auf den Weg nach Ono-I-Lau,
um Hilfe zu holen. Nach zwei Wochen auf See erreichte das Ruderboot die
Fiji Insel Kandavu und konnte Hilfe holen.
1971 erreichte ein amerikanischer Makler mit seiner Jacht die Minerva Riffe und fand sie so schön, daß er beide Riffe zu seinem privat Staat erhob und einen Hotellkomplex errichten wollte. Bereits wenige Monate später kehrte er mit Architekten auf die Riffe zurück, mußte aber seinen Plan ein Touristenzentrum zu errichten auf Grund der schwierigen Versorgungslage wieder aufgeben.
Dieser Plan schreckte die tonganische Regierung auf. Die herrenlosen Riffe sollten zum einem nicht zum Spielball von Spekulanten werden, zum anderen war es für Tonga wichtig die Fischereizonen zu sichern. Deswegen wurde ein Marineboot entsandt, um sowohl auf den Nord, als auch auf dem Südriff Hoheitszeichen zu errichten. Nur wenige Wochen später entfernte ein Marineschiff von den Fiji Inseln die Hoheitszeichen der Tonganer und Namen formell von den beiden Atollen Besitz.
Nach einigem Hin und Her der beiden Regierungen wurden die beiden Riffe am 15.Juli 1972 Tonga zugesprochen.
Die bis 1973 gewarteten Leuchtfeuer sind heute erloschen. Seitens der Regierung Tongas besteht auch kein Bedarf die Seezeichen wieder zu reparieren.
1982 rückten die beiden bis dahin weitgehend unbekannten Riffe ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, als amerikanische Jugendliche beide Atolle besetzten, um sie von der tonganischen Regierung zum Aufbau eines Jugendstaates zu erhalten. Die tonganische Marine entsandte darauf hin zwei Kanonenboote nach Minerva, um die Besetzung zu beenden. Nach drei Wochen gaben die amerikanischen Besatzer auf und die Marine errichtete neue Hoheitszeichen. Heute stehen, so weit dies möglich ist, beide Atolle unter Naturschutz und werden, um das Wachstum zu untersuchen, mehrmals von amerikanischen Wissenschaftlern angelaufen.