Mopelia Riff - Das Ende der ‘Seeadler’

Wolfgang Schippke, DC3MF


Durch die Unachtsamkeit eines wachhabenden Deckoffiziers sank das berühmteste Deutsche Kaperschiff, die ‘Seeadler’ von Graf Luckner, 1918 am Riff vor Mopelia. Die Seeadler, eigentlich ein Schottisches Schiff, wurde zu Beginn des ersten Weltkrieges von deutschen U-Booten aufgebracht und in der Werft von Blom & Foß mit einem 1000 PS starken Motor versehen. Zum Kommandanten des Schiffes wurde Felix Graf Luckner gewählt, ein sehr erfahrener Kapitän. Im Dezember 1916 lief die Seeadler aus, und in nur wenigen Jahren wurden unzählige Feindschiffe versenkt und die Besatzung gefangen genommen.

Das Ende nahte auf der Fahrt von Argentinien in die Südsee, nach dem Graf Luckner am 19 Februar 1917 die mit Salpeter beladene HMS ‘Pinmore’ aufbrachte und darauf hin von einigen britischen Kanonenbooten gejagt wurde. Um seiner Mannschaft und dem Schiff etwas Ruhe zu gönnen, segelte Luckner zum Mopelia Riff und ankerte hier vor der Bird Insel. Hier wurde das Kaperschiff durch die Unachtsamkeit eines jungen Offiziers auf das Riff geworfen und mußte aufgegeben werden. Noch heute liegen die Reste der Seeadler vor der Riffeinfahrt. Hoch auf der Bird Insel liegen noch einige Trinkwasser Tanks und einige andere Teile des 1888 gebauten Schiffes.

Bei der Havarie konnten sich alle 105 Besatzungsmitglieder und einige Kriegsgefangene auf die Mopelia Insel, die größte Insel des Atolls, retten. Graf Luckner erhob daraufhin, die bereits seit 1897 französische Insel, zur Deutschen Kolonie ‘Seeadlerburg’. Nur kurze Zeit später nahm die britische Brigg ‘Gleana A’ Graf Lukner und seine Mannschaft gefangen.

Bei der Havarie sollen einige hundert Kilo reinen Goldes auf der ‘Seeadler’ gelagert gewesen sein. Bis heute ist dieser Schatz in einer der zahllosen Korallenhöhlen im Riff um Mopelia versteckt. Zwar hat Felix Graf Lukner das Versteck des Schatzes zusammen mit einer genauen Lagekarte kurz vor seinem Tode 1964, an den Historiker Ralf Lasa verraten, aber als Rolf Lasa das Gold bergen wollte, mußte er wegen schlechten Wetters das Vorhaben abbrechen. Kurz vor der Aufgabe seines Vorhabens wurde noch eine verlötete große Seemannskiste gefunden, eine Bergung konnte nicht mehr durchgeführt werden. Bis heute liegt diese Kiste, von der angenommen wird, daß sie das Gold - oder zumindest einen Teil davon - enthält , im sogenannten ‘Taihaaru vahine’, einem tiefen Schlund innerhalb des Riffes.

Als 1976 von einigen französischen Archäologen der Versuch unternommen wurde, sowohl das Wrak als auch die Kiste zu bergen, konnten nur noch einige Kanonen der ‘Seeadler’ gehoben werden, nicht aber die Kiste. Ob sie in der Zwischenzeit von Schatzsuchern entdeckt wurde, oder so tief abgerutscht ist, daß sie am Fuße des Riffes liegt, ist nicht bekannt. Sowohl die Schatzkarte, die Graf Luckner weitergab, als auch zahlreiche Gegenstände der Seeadler, befinden sich heute in einem Museum in Schweden.

Das Mopelia Atoll, meist Maupihaa genannt, liegt 265 Seemeilen westlich von Tahiti auf einer mittleren Position von 16°50’S und 153°57’W. Mopelia ist fast rund, hat einen Durchmesser von 9 Kilometern und entlang des Riffkranzes befinden sich eine große und zahlreich kleinere Inseln. Alle Inseln sind flach und mit teilweise undurchdringbarem Gestrüpp bewachsen. Ausnahme bildet der Süden von Maupihaa, der größten Insel. Hier steht eine kleinen Siedlung, die nur während der Kopra Ernte bewohnt wird. Der Rest der Insel ist heute eine Kopra Plantage, die einem Privatmann aus Tahiti gehört.

Bis 1948 war Mopelia ständig bewohnt. Bedingt durch die teilweise schwierige Versorgung, sowie der geringen Verdienstmöglichkeiten, wanderten zuerst die jüngeren, später auch die älteren Bewohner nach Tahiti aus. Als die Seeadler hier ihr nasses Grab fand, lebten 35 Familien auf dem Atoll.

Die einzige Einfahrt in die Lagune ist der Passe Taihaaru Vahine, an dessen Sockel die ‘Seeadler’ liegt. Der Kanal, im Norden des Riffes gelegen, ist nur 30 Meter breit und kann nur von kleineren Schiffen passiert werden. Einen zweiten Kanal in die Lagune brach der heutige Besitzer vor einigen Jahren in den Riffkranz. Hier steht auch ein kleiner 4 Meter hoher Leuchtturm, der nur dann befeuert wird, wenn sich Arbeiter auf dem Atoll aufhalten.

Die zweit größte Insel ist Bird, westlich der Nordeinfahrt. Hier befinden sich neben einigen Überresten der ‘Seeadler’ auch noch einige Hütten, die von den Leuten Graf Luckners errichtet wurden.

Nur wenig ist über die Entdeckungsgeschichte des Atolls bekannt. Am 29. Juni 1767 erreichte Kapitän Wallis mit dem Schiff ‘Futuna’ das Atoll und nannte es Henderson Insel. Zu dieser Zeit war das Atoll bewohnt. Wallis berichtete, daß er an der Westflanke der Insel Motu Aveu, die Reste eines europäischen Schiffes entdeckt hätte. Bis heute ist unbekannt um welches Schiff es sich handelte. 1968 fanden französische Archäologen Reste eines spanischen Segelschiffes in der Nähe der Aveu Insel. Ob es sich hier um die Reste der 1595 verschollenen ‘San Jeronimo’ von Kapitän Alvaro de la Mendana handelte, konnte nicht geklärt werden.

Nur zwei Jahre nach Wallis erreichte Kapitän James Cook mit dem Schiff HMS ‘Endeavour’ das Atoll und nannte es Venus Island in Anlehnung an seine Beobachtungen am Planeten Venus, die er Tage vorher auf Tahiti durchführte. 1722 landete die spanische Domingue de Boenechea Expedition auf dem Atoll und verlor dabei das Schiff ‘Aguilla’. Ein überlebender Kaplan wurde der erste Missionar auf der Insel. Sein Grab mit einem Gedenkstein befindet sich im Süden der Bird Insel.

Der nächste Europäer, der das Riff erreichte war der deutschstämmige Kapitän Kotzebue im Jahre 1824. Er nannte das Atoll Groß Bellinghausen.

1888 wurde die Insel von Frankreich annektiert und der Verwaltung Tahiti’s unterstellt. 1903 besuchte der damalige französische Gouverneur zum ersten und einzigen Male das abgelegene Atoll, das 1904 an eine französische Kopra Firma verkauft wurde. Bis heute ist das Atoll im Besitz der Familie des Firmengründer.


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