Das Für und Wieder der Aktivierung von Niegehörn

Wolfgang Schippke, DC3MF


Summary: In the near future, a group of ham-radio want to activate one of the most off-limit islands along the German Northsea Coast, the island of Niegehoern. There are two parties, disussing heavy about the sense. The majority stands on the point, that the nature reserve is not so important as to become a new island. In my opinion that is nonsense, and we all must stop these horror in the name of ham-radio. Niegehoern is one of the nesting places for several rare sea-birds, and also for a very rare kind on seals. So the islands is completely closed for public from the start of April till the end of September. The now upcomming expedition will take place in the major time of nesting birds, and it is a complete nonsense to give any ham-radio the allownes to stay on the island only for opeating only for fun.


In der letzten Zeit kam es zu einer teilweise sehr kontrovers geführten Diskussion um das Für und Wieder der geplanten Aktivierung von Niegehörn.

Die Insel Niegehörn, ca. 5 Km nordwestlich von Neuwerk ist mit der nördlichen Insel Scharhörn durch eine trockenfallende Sandplatte verbunden. Die Mitte der Platte liegt bei 53N57 und 08E26, beide Inseln sind ca. 400 Meter von diesem Punkt entfernt. Während Scharhörn bereits im 17ten Jahrhundert geschichtlich erwähnt wurde, ist Niegehörn erst seit ca. 100 Jahren eine Sandplatte, die heute zwischen 1 und 3 Meter über der mittleren Hochwassermarke liegt. Im östlichen Bereich der Insel Niegehörn wurde um 1967 eine Warft errichtet, in der sich eine Koje der Naturschutzorganisation Jordsand, die die Insel vom Land Hamburg gepachtet hat, steht. Neben dem Verein Jordsand hat auch die Verwaltung des Schutzparkes Wattenmeer eine hohes Mitsprache Recht auf beide Inseln, sowohl Scharhörn, als auch Niegehörn.

Niegehörn ist eine Insel, die im wachsen begriffen ist. Zwar konnte durch die Ansiedlung von Salzgräsern und Qualler eine weitere Verlandung eingeleitet werden, dennoch werden die westlichen Teile weiterhin bei Hochwasser überflutet, so daß gerade in den Wintermonaten meist nur ein Bereich von ca. 3500 qm immer über Wasser liegt.

Niegehörn zählt mit zu einem bedeutenden Platz für Seevögel und Robben, besonders die sehr seltene Bartrobbe, von der es nach Informationen des WWF nur noch ca. 4000 Stück geben soll, kann hier beobachtet werden. Besonders zwischen Anfang April und Mitte September darf die Insel nicht betreten werden, um die brütenden Vögel nicht zu stören. An das restriktive Betretungsverbot in diesen Monaten muß sich auch das Schiffahrtsamt halten, das auf einer vorgelagerten Sandbank ein Seezeichen unterhält. Nur in besonders dringenden Fällen wird eine Ausnahmegenehmigung durch das Land Hamburg, den Verein Jordsand und die Naturparkverwaltung Wattenmeer erteilt.

Bei der geplanten Aktivierung durch Funkamateure prallen zwei absolut konträre Meinungen aufeinander. Die Befürworter sind die, denen es ausschließlich um eine neue Nummer oder Insel in ihrem Troffeenbuch geht, diejenigen die Wiederstand entgegenstellen, sind diejenigen, denen es um den Naturschutz geht.

In meinen Augen ist es mehr als fragwürdig eine solch geschützte Insel nur um des Amateurfunk willen zu aktivieren. Jede Expedition, auch eine noch so vorsichtige, hinterläßt Spuren, gerade in einem so sensiblen Ökosystem. Außerdem ist gerade Anfang Mai ein Brutschwerpunkt der hier lebenden Seevögel, die auf Störungen von außen sehr empfindlich reagieren. Zwar ist jetzt noch nicht hier Hochzeit der Robben gekommen, aber auch die wenigen können durch den Menschen empfindlich gestört werden.

Ich bin weiß-Gott kein Verfechter eines, in vielen Fällen, fragwürdigen Umweltschutzes, aber gerade hier, in einem so empfindlichen Ökosystem, halte ich es für das absolut oberstes Gebot, daß private Hobbyinteressen zurückstecken müssen gegenüber dem primären Ziel des Umweltschutzes.

Es ist mir auch beim besten Willen nicht möglich zu verstehen, wie die drei betreffenden Behörden, die hier die Genehmigungen erteilen müssen, dies tun konnten. Da das Land Hamburg die Insel den Umweltbehörden zur Verwaltung übergeben hat, ist meinem Empfinden nach, eine Genehmigung des Landes Hamburg unwirksam, solange der Naturpark Wattenmeer und der Verein Jordsand nicht ihre Zustimmung in schriftlicher Form abgegeben haben. Dies ist nach Sachlage bis jetzt nicht geschehen.

Nicht erst hier wirft sich die generelle Frage auf, man Amateurfunk auf solchen restriktiv geschützten Inseln zulassen sollte. Hierzu zählen alleine im Bereich der deutschen Nordseeküste die Inseln: Memmert, Minsener Oog, Oldoog, Mellum, Arngast, Vogelsand Plate, Niegehörn, Scharhörn, Medemsand Insel, Trischen, die Halligen Süderoog und Norderoog, sowie die Außensande Süderoog Sand und Norderoog Sand. Hinzu kommen hier noch eine Reihe von streng geschützten Inseln an der Ostseeküste.

Mag sich der Leser an dieser Stelle selber eine Meinung darüber bilden ob er eine solche Expedition durch ein QSO und die dazugehörige QSL unterstützt, oder ob einige Bereiche der Erde auch das bleiben sollen was sie sind - absolute Naturschutzgebiete ohne Eingriff von Außen.

73 de Wolf, DC3MF