Saint Peter & Saint Paul Felsen (SA-014)
Wolfgang Schippke, DC3MF
<=The
Rocks seen from south-east
Die Peter & Paul Felsen nach einer
amtlichen brasilianischen Karte Die St.Peter & Paul Felsen liegen mitten
im Atlantischen Ozean, fast auf halber Strecke zwischen Süd-amerika
und Afrika, ca. 950 km nord-östlich von Natal / Brasilien. Die mittlere
amtlich festgelegte Position der Fel-sen, mitten in der wichtigen Schiffahrtsstraße
zwischen Europa und Brasilien wird heute mit 00°55’08" N und 29°20’35"
W ange-geben. Die Gruppe besteht aus 11 Felsnadeln, die sich um eine größere
Insel gruppieren. Die Nord-Süd Aus-dehnung wird mit 350 Metern ange-geben,
die Ost-West mit 200 Metern. Der größte Felsen hat eine Fläche
von ca. 80 auf 50 Metern und erreicht eine Höhe von 23 Metern.
Die Felsen steigen unvermittelt aus Tiefen von 185 Metern an, und des-wegen wurde bereits sehr früh von Forschern angenommen, daß die Gruppe vulkanischen Ursprungs sei. Eine der letzten Expeditionen, die 1997 im Februar durchgeführt wurde, weist auf stän-dige schwache Erdbeben in diesem Bereich hin. Obwohl die Felsen mit Guano überzogen sind, wird ihre Farbe von verschiedenen Autoren mit dunkel ange-geben. Die Felsen sind stark maseriert, d.h. daß das Basismaterial (74% Oli-vine) mit anderen Gesteinsschichten (u.a. 24% Pyroxene) durchzogen sind.
Nur
der größte Felsen weist sowohl Flora als auch Fauna auf. Die
Flora beschränkt sich auf wenige Arten von Moosen und Gräsern.
Die Fauna besteht im Wesentlichen aus unzähligen Vögeln, sowie
einer - anscheinend - endemischen Gattung kleiner roter Spinnen. Sowohl
Drawin als auch spätere Expedi-tionen erwähnen hunderte von kleinen
Krabben, die ebenfalls endisch sein sollen.
Eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen stammt von Charles Darwin, der sich 1832 einige Tage an den Felsen aufhielt. In seinem 1875 veröf-fentlichten Buch ‘Reisen eines Naturforschers um die Welt’, schreibt er über den minaalogischen Aufbau: ‘...Die Kostitution ist nicht einfach; an einigen Stellen ist der Fels von einer hornsteinartigen, an anderen von einer feldspa-t-artigen Natur, mit Serpentinadern.....’ Horner und Brewster beschrieben 1836 in einem Artikel in den Philosophical Transactions, erstmals die vulkanische Entstehungsgeschichte der Felsen. Diese beiden waren auch die ersten, die sich ausführlich mit der Unterwasserwelt im Bereich der Felsen auseinander-setzten.
Bereits 1882 führte der amerikanische Wissenschaftler Renard eine chemische Untersuchung der Felsen durch und kam, wie später auch J. Washington (1929 und 1931) zu dem Schluß, daß die Peter & Paul Felsen mit zu den ältesten be-kannten Steinformationen der Erde zählen. Sie schätzten das Alter auf minde-stens 30.000.000 Jahre, ein Wert der heute als gültig angesehen wird.
Nur sehr wenig ist über die Entdeckungsgeschichte der Felsen bekannt. Das Buch von Schoot ‘Discovery of the Atlantic Ocean’ vermerkt nur ein Fragezeichen für das Jahr der Entdeckung. Sie werden erstmals 1538 in Mercators Karte der Erde ausgewiesen. Da sie sich in einer wichtigen Seestraße zwi-schen Europa und Südamerika befinden, kann man davon ausgehen, daß bereits früher die Felsen gesichtet wurden. Der noch heute gebräuchliche Name stammt möglicherweise von Juan da Nova de Castello, der nach eigenen Anga-ben 1513 auf dem Rückweg von Südafrika nach Portugal vom Kurs abkam und die Felsen sichtete. Nicht bekannt ist allerdings ob da Nova, nicht die weit süd-licher liegenden Martim Vaz Felsen meinte.
Die erste Landung soll von dem Franzosen Lozier de Bouvet, nach ihm ist die Insel im Antarktischen Ozean benannt, 1738 durchgeführt worden sein. 1786 erwähnte der französische Entdecker Lapérouse, der sich auf dem Weg in die Südsee befand, die Felsen und beschrieb die Oberfläche als von Vogel-dung überzogen. Eine der besten Karten, der damaligen Zeit fertigte James Cook im Jahre 1773 an, als er mehrfach die Felsen umrundete, aber keine geeignete Stelle zum anlanden fand (offiziell gilt der Franzose Laperouse als Entdecker der Matin Vaz Inseln).
1930 errichtete die brasilianische Marine auf dem höchsten Punkt, einer Platt-form von 22,5 Metern Höhe, einen Leuchtturm auf einem 6 Meter hohen Ge-stell. Das Feuer arbeitete nur bis 1936, und die Reste des ehemaligen Bau-werks sind noch heute auf den Photographien gut zu erkennen.
Im zweiten Weltkrieg benutzte die deutsch Marine die Felsen als Treffpunkt von U-Booten. Hierbei wurde der Sockel, auf dem die Felsen liegen erstmals genau vermessen und die Wassertiefen gelotet.
In dem Bericht ‘Saint Peter & Saint Paul Rocks’ von der brasilianischen Marine, der 1996 publiziert wurde, wird vom Wiederaufbau des Leuchtturms berichtet.
Wie gefährlich und noch unerforscht die Gewässer um diese Felsgruppe ist, zeigte sich 1974, als die M.V. ‘Anna Christina’ 10 Seemeilen entfernt auf einen Unterwasser Felsen lief und sank. Auch 1987 sank ein Schiff, etwas nördlich der Felsen, nachdem es mit einem unbekannten Objekt, eventuell ein weiteres unterwasser Riff auflief.
Auch heute, im Zeitalter der Radar-Navigation ist es gefährlich an den Felsen anzulanden. Es gibt nur eine einzige nutzbare Bucht mit einem kleinen, schmalen Geröllstreifen an dem angelandet werden kann. Verschiedene Auto-ren weisen darauf hin, daß dies nur mit kleinen Booten geschehen kann. Um so bewundernswerter ist die letzte durchgeführte Amateurfunkexpedition 1997 zu den einsamen Felsen im Atlantik.
Danksagung:
Ich möchte mich besonders bei DJ9ZB für seine freundliche Unterstützung und die Zusendung des Photos bedanken.