Die Insel Sark, die unbekannteste der Britischen Kanalinseln
von Wolfgang Schippke, DC3MF
[Ausschnitt aus: Die unbekannten Inseln des Atlantik, München 1992]


Sark ist eine kleine, nur 5600 Meter lange und 2000 Meter breite Insel, östlich von Guernsey, auf einer mittleren Position von 49 26 N und 02 23 W. Sie erreicht im nördlichen Teil eine Höhe von 107 Metern. Sark ist von hohen fast senkrechten Felsen umgebene Insel, so daß das Hochplateau nur über unzählige Treppen vom Hafen aus erreicht werden kann. Sark gilt als selbständiger Inselstaat, der in vieler Hinsicht an das Mittelalter erinnert. Die Gesetze, die noch heute zur Anwendung kommen, stammen von Héliere de Carterer aus dem Jahre 1564. So sind noch heute alle Arten von Autos, ausgenommen drei Traktoren, ein Feuerwehrfahrzeug und eine Ambulanze, auf der Insel verboten. Ebenso dürfen an Sonn-und Feiertagen keine Flugzeuge oder Hubschrauber die Insel überfliegen, ausgenommen sind Noteinsätze der Küstenwache, oder der flying doktor service. Dafür brachen die Bewohner von Sark keinerlei Steuern zahlen.

Dennoch wurde die Insel, im Gegensatz zu anderen Gebieten ohne Steuern, zu keinem Steuerparad es, da die Ansiedelung von Firmen sowie von Privatleuten ohne die Bürgerschaft der Insel absolut verboten ist. Eine Bürgerschaft kann nur derjenige erhalten, der über zehn Jahre ohne Unterbrechung auf der Insel gelebt hat. Erst dann hat man das Recht zu wählen, Grundbesitz zu erwerben, oder ein Haus zu bauen.

Wie viele andere Inseln war auch Sark bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Neben Menhiren und Dolmen fanden Archeologen auch Schmukstücke aus der Zeit um 8000 vor Christus. Während der römischen Besatzung Englands war die Insel ein Ausflugsziel römischer Legionäre. Die erste geschichtliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 565, als ein Kloster der Kirche von St.Michele unweit des heutigen Hafens gebaut wurde. Diese kirchliche Einrichtung bestand bis ins Jahre 1372. Danach wurde das Kloster aus unbekannten Gründen aufgelöst. Um 1532 erbaute Héliere de Casteret den Hafen Creux Harbre, der heute als der kleinste Hafen der Welt in den Hafenhandbüchern verzeichnet wird. Der Bau dieser Anlage dauerte bis 1581, konnte aber von Héliere nicht mehr selbst fertiggestellt werden, da er 1570 verstarb.

Der Hafen ist nicht nur der kleinste der Welt, sondern auch der gefährlichste. In einem Seehandbuch steht hier zu folgende Eintragung: "...Aber die Durchfahrt zwischen den Buron-Rochs und der Huk ist durch Klippen und Riffe versperrt ... Zu beachten sind auch die Strom- und Windverhältnisse und vor allem die zahlreichen, zumeist überfluteten und oft auch auf den Karten nicht verzeichneten Steine und Riffe..." (vgl. Kohlenberg "Der Kanal", Bielefeld 1980, 216ff) Noch während des Hafenbaus erwarb Héliere de Carteret 1594 die gesamte Insel von der Krone. Er erließ daraufhin, die noch heute gültigen Gesetze. Im Mittelalter war die Insel oft Unterschlupf für Schmuggler und Piraten, die in den zahllosen oft nur vom Meer aus erreichbaren Höhlen wohnten. Da die Nachfolger Héliere s an den Gewinnen der Schmuggler und Piraten beteiligt waren, waren sie auf Sark vor den Zugriffen durch die Behörden, die die Insel nicht betreten durften, geschützt. 1730 erwarb Le Pelley die Insel, und beließ alle Zustände wie sie waren. Die beschauliche Ruhe der Insel wurde erst 1834 gestört, als der Geologe und Mineraloge John Hunt vor allem auf Klein Sark, das mit der Hauptinsel durch einen Damm verbunden ist, Kupfer und Silber fand. In nur wenigen Monaten entstanden zahllose Bergwerke und Minen, die allesamt nicht die Gewinne abwarfen, die erwartet wurden. Bald konnten die laufenden Kosten nicht mehr gedeckt werden, so daß bereits wenige Jahre später der Bergbaubetrieb eingestellt werden mußte. Um die drückenden Schulden zahlen zu können, mußte die Familie Le Pelley die Insel an den Hauptgläubiger Marie Collings übereignen.

Bis zum zweiten Weltkrieg kehrte wieder Ruhe auf der Insel ein. 1941 besetzten deutsche Truppen die Insel und bauten, die 1511 errichtete Mühle auf dem höchsten Punkt, in einen Wehrturm mit Bunker um. Am 2.10.1943 stürmten englische Eliteeinheiten die Insel und überwältigten die deutschen Soldaten, die den Bunker bewachten. Von den fünf deutschen wurden 4 erschossen und nur einer gefangengenommen. Das britische Militär erbaute auf Sark ein Internierungslager.

Heute ist Sark ein Paradies für Urlauber, die die Abgeschiedenheit suchen. Obwohl man sehr auf die Devisen der Touristen angewiesen ist, darf man sich nur maximal 20 Tage, als Fremder, auf der Insel aufhalten. Das Nackbaden, sowie das entblößen des weiblichen Oberkörpers kann noch heute mit Pranger bestarft werden!