Das St.Katharinen Kloster im Sinai

Wolfgang Schippke, DC3MF


Das Katharinen Kloster befindet sich im südlichen Teil der Sinai Halbinsel auf der mittleren Position 28N36 und 33E59. Das Kloster liegt strategisch günstig inmitten des Sinai Gebirges in einer Höhe von fast 2000 Metern. Derzeit gibt es nur eine Zufahrt von Tarfet aus, über den 1400 m hohen Watiya Paß (siehe Übersichtskarten).

Der Grundbesitz des Klosters umfaßt das Kloster, den Mossesberg sowie der Mount St.Catharine und hat eine Fläche von ca. 100 ha. Dieses Gebiet gilt als unabhängiger Teil der Mönchsrepublik Mount Athos in Griechenland. Die Souveränität des Gebietes wurde erstmals durch den Britischen Stadthalter von Kairo und dem Gouverneur von Britisch Ägypten Lord Cromer 1892 politisch anerkannt. Der spätere ägyptische König Fuad I erneuerte die Bestätigung Lord Cromers. Als der, von israelischen Truppen besetzte Sinai, 1982 wieder an Ägypten zurückgegeben wurde, sicherte nicht nur Mubarak, der neue Staatspräsident Ägyptens, sondern auch die israelischen Unterhändler, dem Gebiet des Katharienenklosters die Unabhängikeit zu. An diesen Zusicherungen hat sich bis heute nichts geändert, das Katherinenkloster ist nicht Besandteil Ägyptens, sondern der unabhängigen Mönchsrepublik Mount Athos.

Das Kloster, gebaut als Wehrfestung, hat eine Grundfläche von 76 auf 85 Metern. Die bis zu 12 Meter hohe Umfriedung hat eine Basisdicke von fast 6 Metern. Obwohl sowohl Teile als auch das Klosters mehrfach, sowohl durch Truppen, als auch Erdbeben, zerstört wurde, wurde es immer wieder innerhalb kurzer Zeit wiederaufgebaut. Eines der wichtigsten Schätze des Klosters sind zwei Quellen innerhalb seiner Mauern, die einzigen Quellen in weiter Umgebung.

St.Catharina steht am Fuße des Mosesberges, auf dem, dem Alten Testament zur Folge, Moses die Zehn Gebote von Gott erhalten haben soll. Auf dem Platz des Klosters soll, ebenfalls einer Legende nach, der Brennende Dornbusch gestanden haben, auf den sich das Alte Testament bezieht. Der Legende nach erschien an diesem Ort Gott Moses in einem brennenden Dornbusch und verlangte, daß Moses sein Volk aus Ägypten in das Land Kanaa (heutiges Palästina) führen solle. (Hierüber schrieb S.Undset, eine norwegische Schriftstellerin die Novelle ‘Der brennende Dornbusch’, der 1930 in Oslo erschien.)

Die erste geschichtliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 324, als die Kaiserin Helena in ihren Schriften von einigen christlichen Klausen unterhalb des Moses Berges berichtete. Die Kaiserin Helena (später heilig gesprochen) war die Frau des römischen Kaisers Constantinius I, und die Mutter von Konstantin dem Großen. Sie stiftete damals nicht nur die Grabeskirche in Jerusalem, sondern auch den Eremiten vom Sinai reiche Geldbeträge. Durch das Geld wurde eine erste klosterähnliche Siedlung 334 errichtet.

Als 533 Kaiser Justinius I, der letzte römische Kaiser in Byzanz, Sinai und Nordafrika eroberte, stiftete er den Mönchen Geld und ließ das Kloster zum Brennenden Dornbusch, wie es damals genannt wurde, errichten. 565 wurde der Bau fertiggestellt und der Grund dem Kloster geschenkt. Noch heute befindet sich die Schenkungsurkunde, sowie die Corpus Juris Civilis Schriften des Kaisers, in der Bibliothek des Klosters. Bereits zu dieser Zeit entstanden die noch heute weltweit bewunderten Bodenfresken innerhalb der Basilika.

Bereits im 7ten Jahrhundert wurde das Kloster von arabischen Truppen geschleift, aber noch im gleichen Jahrhundert teilweise neu aufgebaut. Dies war das einzige mal in der fast 2000 jährigen Geschichte, daß das Kloster eingenommen wurde. Am Neubau waren auch islamische Fundamentalisten beteiligt. Aus Dankbarkeit für die Hilfe, bauten die christlichen Mönche innerhalb der Klostermauern eine Mosche auf, die noch heute ein heiliger Ort des Islams ist.

Im 10ten Jahrhundert lebten 40 Mönche, 30 Nonnen und bis zu 100 Angestellte sowohl im Kloster, als auch in der kleiner Siedlung daneben. Zu dieser Zeit wurde auf dem Moses Berg eine Kapelle errichtet. Der Moses Berg ist heute als Gebel Musa bekannt, ein 2285 Meter hoher steiler Berg. Nur wenige Jahre später bauten die Mönche auf dem Gebel Katharina (2642 m) eine kleine Kapelle, die aber im 14te Jahrhundert zerstört wurde.

Als das Königreich Jerusalem, 1096, ausgerufen wurde - es entstand aus den Schlachten des ersten Kreuzzuges - kam das Kloster unter den Schutz des neu gegründeten und von Frankreich aus gelenkten Königreiches. In gleichen Jahr wurde ein Orden gegründet, der in seinen Zielen ähnlich dem Malteser Ritter-Orden ähnlich war. Dieser Ritter-Orden zum brennenden Busch, löste sich aber nach dem fünften Kreuzzug wieder auf. Die Blütezeit erlebte das Kloster im 12ten und 13ten Jahrhundert, als über 100 Mönchen und 50 Nonnen in dem Kloster lebten. In dieser Zeit wurde auch die neue Basilika erbaut und der Heiligen Helena gewidmet. Sowohl der kulturelle als auch der religiöse Aufschwung des Klosters wurde im 12ten Jahrhundert auch durch den deutschen Kaiser Friedrich I Barbarossa gefördert, der auf der kleinen Insel Jazira Fara’un eine Kreuzritter Festung errichten ließ (1189-1192). Von hier aus hatte das Kloster militärischen Rückenhalt und durch den Kaiser das notwenige Geld zum weiteren Überleben.

Diese Geldmittel ermöglichten auch den Bau stärkerer Wehrmauern. Die neue Wehrmauer hatte keine Pforte mehr. Alle Besucher, alle Lebensmittel und alle anderen Gegenstände wurden fortan, bis ins 20te Jahrhundert hinein, durch Körbe und Seilzüge über die Mauer gezogen. Deswegen wurde das Kloster nie eingenommen, sondern nur belagert, allerdings ohne Erfolg.

1312 wurde der weiter Aufschwung durch ein Erdbeben gestoppt, bei dem die meisten Gebäude zerstört wurden. Auch die Basilika wurde so schwer beschädigt, daß sie in den nachfolgenden Jahren neu aufgebaut werden mußte. Bei dem Erdbeben blieben nur die Außenmauern sowie die Bibliothek weitgehend unversehrt.

Der Wiederaufbau wurde 1461 fertig gestellt, in dem Jahr, in dem Papst Pius II Katharina von Siena heilig gesprochen hatte. Das Kloster wurde der Heiligen Katharina von Siena geweiht.

1483 verstarb im Kloster der später heilig gesprochene Fabritius, der zwischen 1450 und 1482 zu Fuß durch die Wüsten des Sinais wandertet. Seine Reliquien werden noch heute im Kloster aufbewahrt.

Trotz weiterer finanzieller Zuwendungen, besonders durch die Russisch Orthodoxe Kirche in Griechenland, kam das Kloster nicht mehr an seine Blütezeit heran. Als im 17ten Jahrhundert das Kloster durch Osmanische Truppen gestürmt werden sollte, konnte nur durch den amtierenden Popen von Mount Athos und dessen Beziehungen zum Osmanischen Sultan eine Vernichtung des Klosters verhindert werden. Maßgeblich an dieser Entwicklung war auch die Russische Zarin Katharina beteiligt, die sowohl den Schutz des Klosters übernahm, als auch durch großzügige Spenden das weitere Überleben des Klosters sicherte. Aus Dankbarkeit unterstellte der amtierende Abt von St.Katharina sein Kloster der Hoheit von Mount Athos. Daran hat sich bis heute nichts geändert, St.Katharina auf dem Sinai ist eine Außenstelle der Mönche von Athos.

Im 19ten Jahrhundert übernahm der Russische Zar Alexander II sowohl den militärischen Schutz, als auch die finanziellen Verpflichtungen des Klosters.

Zwischen 1892 und 1918, als Ägypten, und somit der Sinai, Britisches Mandatsgebiet wurde, stellte Lord Cromer, der Britische Stadthalter von Kairo und Oberbefehlshaber der Britischen Truppen, das Kloster unter den Schutz Englands. Auch der 1919 intronisierte Ägyptische König Fuad I sowie die anschließenden Könige Farud und die späteren Ministerpräsidenten von Ägypten sicherten dem Kloster Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu.

Mit der Gründung des Staates Israel begannen erneut große Schwierigkeiten für das Kloster, das durch die arabische Regierung weitgehend von der Außenwelt abgekapselt wurde. Hieran änderte auch die Eroberung der Sinai Halbinsel 1967 durch Israel nichts, im Gegenteil wurde die bereits schwierige Versorgungslage, noch verstärkt, als Israel den Sinai komplett von der Außenwelt abriegelte und Truppen stationierte. Die Lage verbesserte sich erst als der Sinai 1982 wieder zu Ägypten kam und der einsetzende Tourismus eine zusätzliche Geldquelle für das Kloster bedeutete.

Heute hüten nur noch 10 Mönche, die sehr reichen Schätze des Klosters. In der Bibliothek des Klosters befinden sich über 4000 reich bebilderte Folianten aus den Anfängen des Christentums. In einem kleinen Museum befindet sich die weltgrößte Sammlung von Ikonen. Das Kleine Kloster beherbergt auch die zweitgrößte Sammlung an Schriften des antiken Roms - die größte Sammlung liegt im Vatikan.

Den bislang prominentesten Besuch erhielt das Kloster am 14 März 1995, als sowohl Prinz Charles von England sowie der Erzbischof von Canterbury, George Cary dem Prior des Klosters Abt Damianos und seinen heute wieder 20 Mönchen, ihre Aufwartung machten. Mit dem Besuch war ein erneuter Geldregen verbunden, der den Weiterbestand des Klosters bis über das Jahr 2000 hinaus, sichert.

Seit Mitte 1996 hält sich eine Ägyptisch - Britische Archäologen Expedition sowohl im Kloster, als auch in der näheren Umgebung auf, um weitere, eventuell noch versteckte, Papyri aus der Frühzeit des Christentums zu finden. Diese Expedition wurde angesetzt, nachdem 1995 eine Tourist zufällig in einer Felsspalte am Mosesberg, wertvolle, bislang unbekannte Payrusrollen gefunden hat. (Die bisher größte Sammlung von Payrusrollen wurde vor ca. 30 Jahren am Toten Meer gefunden, sind aber bis auf wenige Exemplare noch nicht übersetzt und interpretiert.)


Anmerkung:
Dieser Artikel wurde eingespielt ohne Fußnoten und Anmerkungen. Der komplette Artikel, Landkarten und Photos, wurde zur Publikation bei Funktelegramm eingereicht und wird noch 1997 erscheinen.

Literatur:
/1/ Atiya Aziz, ‘The Arabic Treasures of the Convent of Mount Sinai’, in Proc. Of Egypt.Soc His.Stud., 1952, Vol2, 5-26
/2/ Ernst, Hans, ‘Die mamlukischen Sultanskunden des Sinai Klosters, Wiesbaden, 1960
/3/ Richards, Donald S., ‘Documents from Sinai Concerning Mainly Cairene Property’, in JESHO, Vol 28, 1985
/4/ Römer, Hans, ‘The Siani Documents and the History of the Islam’, Festschrift IHSAN, Beirut, 1981, 381 ff
/5/ Baigent, M., ‘Verschlußsache Jesu’, München, 1993